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Die Briten verlassen die EU - und jetzt?

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Das heißt BREXIT für Baden und die Pfalz

Gestern haben die Briten darüber abgestimmt, ob Großbritannien aus der Europäischen Union austreten soll. Kurz gesagt geht es den Briten in der EU zu bürokratisch zu und sie möchten wieder eigene Entscheidungen treffen. Heute Morgen dann das Ergebnis: Die Bürger haben gewählt, Großbritannien tritt aus der EU aus. Was bedeutet der Austritt Großbritanniens für uns in der Region?

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Dazu haben wir den Börsenexperten Dirk Müller aus Reilingen befragt - kennt ihr wahrscheinlich besser als "Mister DAX". Laut seinen Aussagen wird bei einem BREXIT der Handel mit England schwieriger werden. Die EU müsse genau schauen, was getan werden muss. Wird man das Sinnvolle tun?

Mit Großbritannien die Regeln - die wir jetzt schon haben - sowieso wiederbeleben, weil wir den britischen Markt gut gebrauchen können und die Briten auch uns.

Oder macht man laut Müllers Aussage "auf bockig" und trifft schlechte Regelungen, was zum Nachteil unserer Wirtschaft wäre und auch ein Nachteil der britischen Wirtschaft.

Metropolregion Rhein-Neckar als Vorzeigebeispiel

Die EU solle sich zudem ein Beispiel an unserer Region nehmen. Die Metropolregion Rhein-Neckar sei

ein wunderbares Beispiel, wie Europa funktionieren könnte.

Die Region sei "ein Cluster, in dem die Wirtschaft, die Menschen zusammenarbeiten - über Landesgrenzen hinweg". Regionen schließen sich zusammen, arbeiten gemeinschaftlich und das wäre ein Europa, was sich die Menschen wünschen würden.

Folgen für die Wirtschaft im Land

Unsere Radio Regenbogen Baden-Württemberg-Reporterin Barbara Schlegel fasst es zusammen: Die Folgen für die Wirtschaft bei uns im Land sind gravierend:

Wir Baden-Württemberger leben hauptsächlich vom Export - und Großbritannien ist für unsere Unternehmen innerhalb der EU der dritt-wichtigste Exportmarkt. Weltweit gesehen liegt Großbritannien immerhin an sechster Stelle. Hier fürchten viele große Verluste im Exportgeschäft. Betroffen ist vor allem die wichtige Automobilbranche, der Maschinenbau und Hersteller von pharmazeutischen Produkten.

Änderungen für die Unternehmen bei einem BREXIT

Die genauen Änderungen für Unternehmen kann niemand vorhersehen. Sicher ist: Die ganzen EU-Handelsregelungen würden wegfallen. Das würde also neue Verhandlungen mit Großbritannien bedeuten.

Womöglich würden Zölle erhoben.

Der Heidelberger Unternehmer und Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sieht hier langwierige Verhandlungsprozesse auf die Wirtschaft zukommen. Mit dem Resultat: mehr Bürokratie und höhere Kosten. Und dann fällt auch die Freizügigkeit innerhalb der EU weg – das hat Folgen für die Beschäftigten, gerade den Fachkräfte-Austausch. Das wird alles viel komplizierter. Außerdem befürchten viele eine Abwertung des englischen Pfunds gegenüber dem Euro – das würde die Geschäfte zusätzlich verteuern. Einzig für Touristen könnte der Urlaub auf der Insel günstiger werden.

Auch die IHK bestätigt diese Aussagen. Hier das schriftliche Interview mit Dr. Peter Kulitz, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags:

Was bedeutet der Brexit für die baden-württembergische Wirtschaft?

„Die EU ist der Kernmarkt für unser Land – über die Hälfte aller Exporte gehen zu unseren europäischen Nachbarn. Dabei ist Großbritannien seit einigen Jahren so etwas wie ein ‚stiller Exportstar‘, denn die Ausfuhr nach Großbritannien ist von 2011 bis 2015 um rund 40 Prozent gewachsen. Wenn der Trend sich hält, schafft es das Königreich in diesem Jahr in die Top 5 unserer wichtigsten Außenhandelspartner. Der Austritt könnte dieser Entwicklung einen kräftigen Dämpfer verpassen, alleine schon wegen der Unsicherheit, wie es weitergeht.“ 

In welchem Maße sind die baden-württembergischen Betriebe betroffen?

„Großbritannien ist unser sechstwichtigster Auslandsmarkt, mehr als sechs Prozent der baden-württembergischen Exporte gehen mittlerweile dorthin. Wir exportierten im vergangenen Jahr Güter und Dienstleistungen im Wert von über 12 Milliarden Euro auf die Insel und bezogen britische Erzeugnisse für mehr als 4 Milliarden Euro. Der Brexit setzt also viele Fragezeichen hinter ein ‚Billion-Euro-Business‘, das derzeit Wirtschaftsbasis und Perspektive von Unternehmen mit vielen Arbeitsplätzen ist. Beispielsweise im Bereich der Zulieferfirmen, welche in Baden-Württemberg zahlreich vertreten sind. Ein britisches ‚Nein‘ führt in jedem Fall zu Unsicherheiten, weshalb die Währungs-kursausschläge zwischen Pfund und Euro sehr wahrscheinlich zunehmen. Entsprechend würden für baden-württembergische Exporteure die Kosten zur Wechselkursabsicherung im Großbritannien-Geschäft steigen.“ 

Welche Branchen davon besonders?

„Nahezu alle Industriezweige profitierten vom Großbritanniengeschäft. Allen voran sind dies unsere wichtigsten drei Exportbranchen der Maschinen- und Anlagenbau, die Automobilbauer und –zulieferer sowie unsere Arzneimittelhersteller. Die Exporte der Arzneimittelhersteller verzeichneten in den vergangenen fünf Jahren ein Plus von 67 Prozent, bei den Automobilherstellern und -zulieferern waren es 51,5 Prozent Zuwachs und die Maschinenexporte stiegen um 28 Prozent. Diese Profiteure werden dann besonders vom ‚no‘ der britischen Wahlbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen, wenn die Wirtschaft einbricht.“

„Schauen wir uns zwei Branchen genauer an: Im Maschinen- und Anlagenbau halten sich Kunden bei Planungsunsicherheit mit Kaufentscheidungen erfahrungsgemäß zurück. Schließlich sprechen wir hier von hohen und langfristigen Investitionsent-scheidungen. Britische Kunden machen hier keine Ausnahme, schon jetzt warten sie ab. Dazu kommt, dass der über Jahrzehnte wichtige Absatzmarkt China sein Wirtschaftsmodell konsequent umbaut. Hier heißt die Losung ‚weg von Produktion und Export hin zu Konsum und Dienstleistungen‘. Wir sprechen beim Reich der Mitte von einem Minus in den letzten fünf Jahren von 16,5 Prozent oder bald einer Milliarde Euro. Kommt nun der Brexit und lässt den Export in der gesamten Eurozone einbrechen, trifft dies unseren Maschinen- und Anlagenbau im Land aktuell besonders hart.“ 

„Bei den Automobilzulieferern könnte mittelfristig auch das Großbritannien-Geschäft deutlich leiden. Wenn es nach dem Brexit wieder zu Grenzkontrollen kommt, sprengen diese die in der Automobilindustrie genau aufeinander abstimmten Lieferketten mit Just-in-Time-Lieferungen. So entstünde ein klarer Wettbewerbs-nachteil für Zulieferer aus Kontinentaleuropa. Natürlich könnten als Puffer entsprechende Lager vor Ort auf der Insel angelegt werden, die dann jedoch die Kosten entsprechend nach oben treiben.“

Was wird sich für die Unternehmen durch den BREXIT konkret ändern (Stichwort Zölle oder Handelserleichterungen)?

„Bis zur wirklichen Umsetzung des Brexit wäre Großbritannien weiter Teil der EU und bis dahin gelten Freizügigkeiten, wie Personen- und Dienstleistungsfreiheit, erst einmal weiter. Nach dem Austritt ist Großbritannien ein Drittstaat, was den Handel und das Erbringen von Dienstleistungen deutlich erschwert – gerade wenn es um das dafür oft nötige Entsenden von Mitarbeitern auf der Insel geht. Wie schwer, das hängt dann von den zwischen der EU und Großbritannien neu verhandelten Regeln ab. In Großbritannien werden aktuell vorrangig vier Modelle diskutiert, vom „Norwegen-Modell“ einer sehr engen Anbindung an die EU, über das Schweizer-Modell, das Türkei-Modell einer reinen Zollunion mit der EU bis hin zu einem ‚WTO-Modell‘ also ein klassisches Drittlandsverhältnis.“

 

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