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Gluten und Laktose: Kinderärzte warnen vor „Diäten-Hype“

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Diese Diäten können negativen Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern haben

Keine Milch, keine Pizza – wegen Bauchweh und Blähungen lassen viele Eltern ihre Kinder auf Lebensmittel mit Laktose und Gluten verzichten. Jetzt hat der Verband der auf Magen-Darm spezialisierten Kinderärzte vor einem „Diäten-Hype“ gewarnt. Bei Kindern könnte das Weglassen dieser wichtigen Substanzen, ohne fundierte Diagnose durch einen Facharzt, schlimme Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

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"Es gibt sinnvolle Diäten und es gibt Diäten, die sind rein mystisch", erklärte der Vorsitzende der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE), Michael Melter. Der Regensburger Professor gab zu, dass die Medizin vor 30 Jahren noch zu unzähligen Diäten geraten habe. "Heute würden wir bei 90 Prozent dieser Sachen sagen, das ist eine Form der Kindeswohlgefährdung, was wir da getan haben." Denn heutzutage wisse man, dass der Mensch unglaublich variabel viele verschiedene Stoffe verdauen und nutzen könne. Der Darm sei sozusagen ein „Meister der Integration“.

Dass Eltern ihren Kindern bei Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall helfen wollten sei absolut nachzuvollziehen, versteht Bremer Kinderarzt und Gastroenterologe Martin Claßen. Doch häufig hätten diese Kinderleiden gar keine organischen Ursachen. Zwar sei es wichtig nach Nahrungsunverträglichkeiten zu suchen, doch viele Heilpraktiker diagnostizierten Allergien mit äußerst unwissenschaftlichen Methoden.

Erst würde Kuhmilch und dann noch Weizen weggelassen, berichtet Claßen. Doch wenn Kinder keine Milch mehr bekämen, könne das rasch zu einem Kalziummangel kommen. Kalzium ist vor allem wichtig für das Knochenwachstum und auch in Lebensmitteln wie Bohnen, Grünkohl, Brokkoli und Haselnüssen zu finden. Das Problem dabei ist allerdings, dass Kinder diese oft nicht gerne essen. "Milchfreie Ernährung, ohne dass es notwendig ist, ist ein Risiko für die Kinder", sagt Claßen dem Nachrichtenportal „Spiegel Online“.

Ein weiteres Problem sei die glutenfreie Ernährung, welche zwar bei der chronischen Darmkrankheit Zöliakie notwendig sei. Viele jedoch oft aus Trend, auch ohne Diagnose auf das Klebereiweiß verzichten. Vor allem die sozialen Folgen seien bei dieser Diät bedenklich. „Das Risiko ist, dass die Teilhabe dieser Kinder an altersgerechten Aktivitäten vermindert ist“, erklärt Claßen. Als Beispiel nannte er das gemeinsame Essen auf Kindergeburtstagen oder Restaurantbesuche mit Freunden, denn herkömmlicher Kuchen und Pizza sind bei Glutenverzicht tabu.

Solche medizinisch nicht sinnvolle Diäten könnten einen Placebo-Effekt haben, sagte Claßen. Erhöhte Aufmerksamkeit für das Kind und die Überzeugung von der Wirksamkeit, erzeugen einen positiven Effekt. In solchen Fällen ist es ratsam zu versuchen, die weggelassenen Nahrungsmittel nach einiger Zeit wieder zu essen, und zu sehen, ob die Beschwerden wiederkommen. "In vielen Fällen tun sie das nicht", so Claßen.
 

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