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Händler vernichten 20 Prozent ihrer Retouren – weil es für sie billiger ist

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Die Artikel zu vernichten macht für Konzerne wirtschaftlich mehr Sinn, als sie erneut zu verkaufen

In der vergangenen Woche ist der Online-Riese Amazon stark in die Kritik geraten. Er soll massenweise Neuware und Retouren vernichtet haben. Die Aufregung darüber war groß, doch in der Praxis ist das bei vielen Großhändlern gang und gäbe geworden. Dass sich das Vernichten der Retouren bewährt, zeigt nun eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI.

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Die Studie weist auf, dass Händler nur 70 bis 80 Prozent der Ware, die zurückgegeben wurde, wieder als neu verkauft werden kann. Die Kehrseite dazu bedeutet, dass die restlichen 20 bis 30 Prozent der Artikel nicht mehr in einwandfreiem Zustand sind. Für die Studie wurden insgesamt 105 Onlinehändler mit einem Gesamtumsatz von 10,6 Milliarden Euro befragt.

Was passiert mit der nicht einwandfreien Ware?
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen gaben an, die Ware, die sie nicht mehr verwenden können zu vernichten, entsorgen oder recyceln. Dabei macht die Studie keine Angaben dazu, um welche Mengen es sich dabei handelt. Amazon ist  daher nur einer von vielen. Besonders häufig kommt die Methode in den Branchen Mode, Einrichtung, Parfümerie, Gesundheit und Konsumelektronik vor. Die Aufbereitung der zurückgesendeten Artikel lohnt sich oftmals finanziell nicht. Vor allem bei Mode und Einrichtung kommt hinzu, dass die Artikel stark Saison und Trends unterliegen.

Wieso können die Artikel nicht erneut verkauft werden?
Der ausschlaggebende Grund, warum Ware nicht wieder verkauft wird, ist der Zustand. 64 Prozent der befragten Onlinehändler gaben an, die Qualität der Artikel sei so stark beeinträchtigt, dass die Aufbereitung sinnlos wäre. Ein weiterer Grund seien die Kosten für die Prüfung und Aufbereitung eines Artikels. Andere Gründe, warum Ware im Müll landet, sind Verderblichkeit, Personalisierung oder Hygienevorschriften.

Kostentreiber im Retouregeschäft
Durchschnittlich kostet Rückversand, Warenannahme, Paketöffnung, Prüfung und Gelderstattung den Händler pro Bestellung zehn Euro. Dies zeigen die Ergebnisse des EHI. Am teuersten sind hierbei die Prüfung, Sichtung und Qualitätskontrolle der Retouren. Diese reicht vom Funktionstest bei Elektrogeräten bis zur Sichtung auf Gebrauchsspuren bei Kleiderstücken. Dann wird eine Entscheidung getroffen: Kann dieser Artikel problemlos wieder in den Handel? Muss er aufbereitet, gewaschen oder gebügelt werden? Oder kann dieser nicht mehr verkauft werden?

Kunden müssen ihre Retouren nicht immer zurücksenden
Aus wirtschaftlichen und Kostengründen ist es für einige Händler bei bestimmten Artikeln sogar sinnvoller, auf die Aufbereitung, Reinigung und Reparatur oder sogar bereits vorher auf die Prüfung, Sichtung und Qualitätskontrolle der retournierten Artikel zu verzichten. Dann landet die Ware direkt in der Tonne.

In manchen Fällen bieten die Händler ihren Kunden aus Kostengründen sogar an, die Artikel nicht zurückzusenden, sondern einfach zu behalten. Das Geld bekommt man dann trotzdem zurück. Bis zu welchem Warenwert eines Artikels ein solches Vorgehen wirtschaftlich sinnvoll ist, beurteilen die befragten Großhändler jeweils sehr unterschiedlich.

Der Onlinegigant Amazon sagte gegenüber Frontal 21, dass das Unternehmen daran arbeite, „so wenig Produkte wie möglich entsorgen zu müssen.“ Wie viele Artikel das allerdings genau sind, bleibt unbekannt. Ein Sprecher der Otto-Gruppe versicherte, bei ihnen müsse kaum Ware aussortiert werden: „Ihr Anteil liegt in der Regel bei unter einem Prozent der retournierten Waren. Fast alle Retouren können nach einer Prüfung sofort wieder in den Verkauf“, berichtet die ‚Welt‘.

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