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Corona-Virus: Dominik aus Waibstadt berichtet aus dem Krisengebiet

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"In den Apotheken sind Masken ausverkauft, es gibt keine Desinfektionsmittel mehr..."

Es ist tödlich, das Corona-Virus. Und es breitet sich weiter aus. Dominik Brod war Praktikant bei Regenbogen Zwei. Inzwischen lebt er in China und arbeitet dort als Deutschlehrer. Geboren in Waibstadt im Rhein-Neckar-Kreis befindet er sich nun mitten im Krisengebiet. Wir haben ihn gefragt, wie die Lage in China ist und was sich verändert hat.

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Wie läuft es in China?
Inzwischen ist fast jede Provinz mehr oder weniger infiziert. Bei uns in der Shandong Provinz, zwischen Peking und Shanghai, war die Chance gering, dass der Virus zu uns rüber kommt. Da wir hier aber auch Leute aus Wuhan haben - die Stadt, in der der Virus ausgebrochen ist - gibt es auch hier immer mehr Infizierte. Inzwischen ist es soweit, dass man gar nicht mehr ohne Maske oder Mundschutz aus dem Haus gehen kann. Vereinzelt gibt es noch Hardcore-Leute, die sich das trauen. Ich aber gehe nicht mehr ohne Mundschutz raus. Man muss sich vorstellen, dass in jeder Apotheke und jedem Einkaufszentrum die Masken restlos ausverkauft sind: Keine Desinfektionsmittel, keine Masken. Die Läden kommen mit den Lieferungen nicht mehr hinterher.
 
Wo bist du gerade?
Ich bin jetzt genau zwischen Shanghai und Peking. Wuhan ist in der Nähe von Shanghai, ich bin allerdings noch ein Stück weiter entfernt. Sehr viele Leute sind gerade wegen dem chinesischen Neujahrsfest unterwegs. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Virus auch hier ankommt.
 
Wie viele Kilometer sind es ungefähr nach Wuhan?
Qingdao in der Provinz Shandong liegt ungefähr 600 Kilometer von Wuhan entfernt.

 

 
Wie gehen die Einheimischen mit der Situation um?

Die sind sehr besorgt. Man merkt das vor allem in den Einkaufszentren. Viele machen Hamsterkäufe. Man muss wirklich Schlange stehen, bis man dran kommt. In den Apotheken sind Masken ausverkauft. Es gibt keine Desinfektionsmittel mehr, weil die Lieferungen nicht mehr nachkommen. Die Leute sind besorgt und bleiben Zuhause. Man muss sich vorstellen, dass sich die Leute in Qingdao eigentlich auf der Straße tümmeln. Überall gibt es kleine Restaurants. Es wird getrunken und gelacht. Es war immer etwas los. Wenn man jetzt vor die Tür geht, blickt man auf eine Geisterstadt: Leere Straßen, kein einziges Auto mehr, ab und zu vielleicht mal einen Menschen mit Maske und Handschuhen. Ja, es ist eine Geisterstadt. Wenn du Silent Hill kennst, so ungefähr kann man sich das vorstellen.
 
Wie reagieren die Behörden?
Sie sagen, wir sollen Zuhause bleiben. Deswegen ist auch niemand auf der Straße. Man soll sich selbst unter Quarantäne stellen. Falls wir doch aus dem Haus, zum Beispiel in ein Einkaufszentrum, gehen wollen, ist am Eingang eine riesen Schlange, weil jeder auf Fieber geprüft wird. Ich komme gerade vom Einkauf. Da steht man erst einmal da, während ein Polizist deine Körpertemperatur prüft. Auf der Straße fahren überall Polizisten herum und machen Fotos, um zu überprüfen, dass auch jedes Restaurant wirklich geschlossen ist. Natürlich versuchen Sie zu deeskalieren aber die Grundstimmung ist besorgt.
 

 
Hast du die Möglichkeit gehabt mit Kindern über die Situation zu sprechen?
Nein habe ich nicht, aber die Kinder haben auch ihre Masken an. Mittlerweile ist es sogar soweit, dass die Leute ihren Hunden und Haustieren eine Maske aufziehen. Keine Ahnung, ob das etwas bringt, aber sie wollen eben auf Nummer sicher gehen.
 
Findest du es vernünftig, dass andere Staaten (z.B. Amerika, Japan, Frankreich) ihre Bevölkerung aus dem Virusgebiet Wuhan rausholen wollen? Ist das der richtige Weg?
Ich weiß nicht genau, wie stark der Virus ist, da ich meine Informationen meist aus den westlichen Medien beziehe,  also ZDF, ARD etc. Die chinesischen Medien versuchen momentan zu deeskalieren. Wuhan ist zur Zeit abgeschottet. Der Virus wird oft mit dem Grippevirus verglichen. Deswegen weiß ich selbst nicht, wie stark und gefährlich er ist. In der Nähe meines Arbeitsplatzes gibt es eine große Shoppingmall, in der gestern jemand wegen seines Fiebers zusammengebrochen ist. Der Virus ist also schon ernst zu nehmen. Ob die Quarantäne gerechtfertigt ist? Ich denke schon. Es wurde jedoch viel zu spät gehandelt. Der Virus ist seit Anfang Dezember hier im Land unterwegs, aber erst Anfang Januar haben wir von den ersten Todesfällen und somit von dem Virus erfahren. In Qingdao gab es einen Fall. Da das Opfer jedoch aus Wuhan kommt, hat man dort erst einmal deeskaliert und gesagt, dass man noch nicht weiß, ob der Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist. In Qingdao gibt es immer mehr Infizierte. Vor allem im öffentlichen Verkehr ist es gefährlich. In Qingdao ist man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Wenn man in vollgestopfte Busse einsteigt, hat man keine andere Wahl, als sich anzustecken. Deshalb sind die Busse mittlerweile leer. Teilweise sind sogar unsere U-Bahn Stationen komplett gesperrt, weil es dort ebenfalls einige Vorfälle gab - auch in der U-Bahn Linie, mit der ich täglich zur Arbeit gefahren bin.

 
Was machst du beruflich und kannst du deinem Beruf noch nachgehen?
Ich habe seit dem 22. Januar bis zum 3. Februar angeblich Urlaub. Ich sage angeblich, weil viele Firmen hier in China den Urlaub schon verlängert haben. Ich habe bis jetzt keine Informationen darüber, ob mein Urlaub verlängert wird oder nicht.

Spielst du mit dem Gedanken China zu verlassen?
Kurz gesagt: Nein. Natürlich habe ich meine Sorgen und passe auf, aber dass ich sage: Ich schmeiße alles hin und fliege zurück nach Deutschland - soweit ist es noch nicht.
 
Wenn du jetzt aus dem Haus gehst, machst du dann um jeden Menschen einen Bogen?
Man macht automatisch um jeden Menschen einen Bogen. Ich meide es zum Beispiel, mich im Bus in die Nähe von Menschen zu setzen und allgemein öffentliche Plätze und Einkaufszentren. Man kann sich auch selbst ein bisschen schützen. Ich habe immer mein Desinfektionsmittel und meine Maske dabei. Das ist keine normale Krankenhausmaske, sondern eine mit Luftfilter. Das gibt mir ein wenig Sicherheit, aber ganz sicher kann man sich natürlich nie fühlen.

Was machst du beruflich in China?
Ich bin Lehrer für Deutsch als Fremdsprache an einer Fortbildungsschule. Diese beschäftigt  sich mit der Deutsch-Chinesischen Wirtschaft und dem Bildungsaustausch zwischen den zwei Ländern. Ich bereite hier Studenten vor, die bald in Deutschland studieren möchten. Darunter sind meistens Maschinenbau-, Chemie- und Ingenieurwesensstudenten. Ich helfe ihnen dabei, ihre Goetheprüfung und ihren Fremdsprache-Test in Deutsch zu absolvieren.

Weitere Informationen zum Corona-Virus
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den neuartigen Corona-Virus zusammengestellt. Hier findest du alles zu Ursache, Übertragung, Behandlungsmöglichkeiten und vieles mehr.

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