Corona

Arbeit im Corona-Taxi Heidelberg: Ein Erfahrungsbericht

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Medizinstudentin Camille aus Heidelberg erzählt von ihrem Arbeitsalltag

Das Heidelberger „Corona-Taxi“ kümmert sich um die Betreuung von COVID-19 Patienten in Heidelberg und Umgebung und ist aus einer Kooperation des Universitätsklinikum Heidelbergs mit dem Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises entstanden. Medizinstudentin Camille Link, 24 aus Heidelberg, hilft seit mehreren Wochen mit und hat für uns ein paar Fragen beantwortet.

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Camille, wie sieht die alltägliche Arbeit im Corona-Taxi aus? Was sind deine Aufgaben?
Mit dem Corona-Taxi fahren wir zu Corona-infizierten Patienten in häuslicher Quarantäne hier im Rhein-Neckar-Kreis und überprüfen deren Gesundheitszustand. Zu meinen Aufgaben gehört daher Blut abnehmen, eine einfache körperliche Untersuchung durchzuführen, aber auch eine Anamnese sprich ein Interview mit den Patienten zu führen. In kritischen Fällen geht es dann vor allem darum zu entscheiden, ob die Patienten in die Klinik eingewiesen werden müssen oder nicht.


Du bist eigentlich Medizinstudentin. Wie kommt es, dass du jetzt im Corona-Taxi arbeitest? Wie viele Studenten helfen sonst noch mit?
Zu Beginn der Corona-Krise hat das Gesundheitsamt uns Medizinstudenten dazu aufgerufen mitzuhelfen. Da habe ich mich damals dann direkt gemeldet und wurde dann für das Corona-Taxi eingeteilt. Es gibt allerdings noch viele weitere Aufgabenbereiche, in denen wir Studenten, die Pflegekräfte und Ärzte unterstützen. Alleine in Heidelberg, müssten es in Klinik und Gesundheitsamt mehrere hundert Studenten geben, die mithelfen. Genaue Zahlen liegen mir allerdings nicht vor.

Wie schützt ihr euch im direkten Kontakt mit den Corona-Patienten?
Für die Arbeit tragen wir die klassische Schutzkleidung, die man vielleicht aus dem Fernsehen oder den Nachrichten kennt - d.h. FFP-Masken, wasserdichte Kittel und so weiter. Die Kleidung wird dann nach jedem Besuch bei den Patienten ausgezogen und entsorgt. Nur die Schuhe bleiben an.


Wie ist der Zustand der Patienten? Wie wichtig ist es für die Patienten, dass ihr da seid?

Die gesundheitlichen Zustände der Patienten variieren stark. Es ist ja auch bekannt, dass die Verläufe sehr unterschiedlich sein können. Vor allem merkt man aber, dass die Patienten psychisch belastet sind. Das kommt vor allem daher, dass sie mindestens zwei Wochen in häuslicher Quarantäne sind und nicht nach draußen dürfen. Gerade wenn man keinen Balkon oder Garten hat, kann das sehr belastend sein. Dementsprechend empfinden es viele Patienten als erleichternd und wichtig, dass wir vorbeischauen und sie jemanden haben, mit denen sie sich über ihre Gesundheit austauschen können.


Wie entscheidest du, ob ein Patient in die Klinik aufgenommen werden muss oder nicht?
Die Überwachung der Patienten funktioniert auf vielen verschiedenen Ebenen. Einerseits gibt es das Call-Center der Uni-Klinik, was die Patienten täglich anruft. Wir dagegen entnehmen Blut, welches die Ärzte in der Klinik auf Laborwerte kontrollieren. Unter anderem anhand dieser wird dann entschieden, ob man einen Patienten engmaschiger kontrollieren sollte oder nicht. Außerdem messen wir die Sauerstoffsättigung und überprüfen, ob ein kritischer Wert erreicht wurde. Am wichtigsten ist aber natürlich das subjektive Empfinden der Patienten.

Wie geht dir es damit tagtäglich im Kontakt mit Corona-Patienten zu sein? Hattest du am Anfang Angst oder Bedenken?
Nein, Ich hatte keine Angst mit Corona-Patienten zu arbeiten. Ich bin durchaus geschützt mit der Schutzkleidung. Wenn ich diese ordentlich an- und ablege, besteht für mich auch keine besonders erhöhte Gefahr. Insgesamt ist die Corona-Krise mit ihren Einschränkungen aber natürlich auch für mich belastend.


Ist die Arbeit im Corona-Taxi ehrenamtlich oder werdet ihr vergütet?
Wir werden vom Gesundheitsamt zu einem pauschalen Betrag vergütet.


Werden die Patienten gerade weniger?
Die Anzahl der Patienten ist deutlich weniger geworden. Mittlerweile ist es sogar so, dass wir Studenten akut gar nicht mehr gebraucht werden.  Das ist auch gut so, weil für uns die Uni weiter geht, zumindest online.

Wie reagiert dein privates Umfeld darauf, dass du im Corona-Taxi arbeitest?
Meine Mitbewohner haben damit kein Problem und unterstützen das. Tatsächlich arbeitet meine eine Mitbewohnerin Thien-Kim ebenfalls im Corona-Taxi. Meine Familie hat auch einen medizinischen Hintergrund und ist derzeit genauso aktiv wie ich, daher gab es hier ebenfalls nur positive Reaktionen.

Vielen Dank für das Interview!

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