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Bye, bye Homeoffice - gelingt der Schritt zurück?

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Denkanstöße für Chefs und Angestellte

Die letzten acht Wochen war das eines der bestimmenden Themen. Das Arbeiten von zu Hause. Natürlich ist das gar nicht für alle Berufsgruppen möglich, keine Frage. Aber für alle anderen und die betroffenen Unternehmen stellt sich spätestens jetzt die Frage, wie eine Rückkehr in den Büroalltag gelingt und ob sich ein Umdenken und flexible Arbeitszeitmodelle nicht doch positiv auf die Ökonomie sowie die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter auswirkt.

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Für viele Unternehmen galt die Arbeit aus dem Homeoffice als unmöglich oder galt bestenfalls als Ausnahme - egal ob Konzernchef oder Angestellte im Büro. Die Corona-Krise zwang viele Firmen dann aber doch hin dazu, dieses unfreiwillige Pilotprojekt schnellstmöglich auf die Beine zu stellen - sehr zum Leidwesen zahlreicher IT-Systemadministratoren, die erst einmal für eine Infrastruktur und Möglichkeiten sorgen mussten, und zur finanziellen Freude von Webcam-Herstellern, die den Umsatz ihres Lebens gemacht haben. Natürlich sind die Branchen, Unternehmen und die Aufgabengebiete ihrer Angestellten individuell, doch da, wo die Heimarbeit eingeführt wurde, hat es in vielen Fällen plötzlich funktioniert.

Oft war das allerdings mit Bauchschmerzen für Chefs verbunden, denn schließlich geben diese auch ein bisschen Kontrolle ab. Vertrauen ist gut, für viele war aber genau diese Kontrolle, die Mitarbeiter im Büro zu wissen, besser. Schnell haben aber Unternehmer und Mitarbeiter gelernt, was schon aus anderen Bereichen im Leben kein Geheimnis ist: Es klappt dann doch, wenn man sich auch einfach mal (ver)traut und einander loslässt.

Vor allem für Eltern, deren Kinder nicht in die Kita oder die Schule gehen konnten, war die Heimarbeit eine Erleichterung, wenngleich auch eine große Herausforderung, den Spagat zwischen Job und der Erziehung in den eigenen vier Wänden zu bewerkstelligen.

Nachdem sich nun nach einigen Wochen und diversen Lockerungen der Maßnahmen später auch wieder so etwas wie Normalität einstellt, überlegen viele Unternehmen, die Homeoffice-Kollegen wieder zurück ins Büro zu beordern. Zwar gibt es Beispiele wie Apple und Google, die die Möglichkeit der Heimarbeit bis mindestens Ende des Jahres verlängert haben, oder wie Twitter, die ihre Angestellten auch gerne für immer von zu Hause arbeiten lassen wollen, doch in vielen anderen Unternehmen gibt es auf derartige Gedanken und Ideen eher platte Antworten wie: "Wir sind aber nicht Twitter."

Der Trend geht zurück zur Büroarbeit

Na gut, als Arbeitnehmer sitzt man da am deutlichen kürzeren Hebel und so müssen sich sowohl diese als auch der Arbeitgeber, die darauf bestehen, abermals ein Konzept überlegen, um die "Wiedereingliederung" in den normalen Berufsalltag einfach und gleichzeitig so sicher wie möglich zu gestalten. Mitglieder von unternehmensinternen Corona-Taskforces rennen dafür mit Zollstöcken und Maßbändern durch die Büros, überlegen sich, wie der Mindestabstand von anderthalb Metern zwischen Mitarbeitern eingehalten werden kann und bestellen quadratmeterweise Plexiglas, um diesen zu gewährleisten. Der Trend geht wieder hin zur Büroarbeit. Während Anfang April noch 25 Prozent der Arbeitnehmer von zu Hause aus gearbeitet haben, waren es Mitte Mai nur noch knapp 9 Prozent. 20 Prozent sitzen nur teilweise im Büro. Das geht aus der Mannheimer Corona-Studie hervor. Für die der Langzeit-Studie der Mannheimer Universität wird regelmäßig eine Vielzahl von Bürgern befragt, um ein Stimmungsbild der Gesellschaft zu erfassen.

Zeit, die Unternehmenskultur zu überdenken

Es gibt den Stereotypen des alten Patriarchen, der die Mitarbeiter im Blick haben will und sagt: 'Ich halte nichts von Homeoffice'.

Wie anfangs schon beschrieben, erklärt sich die unterschiedliche Herangehensweise der Wiederaufnahme der Büroarbeit durch die Individualität der Unternehmen und Tätigkeiten der Angestellten. Während der Sales Manager oder der Online-Redakteur seine komplette Arbeit und Workflows ins heimische Arbeitszimmer oder an den Küchentisch verlagern kann, ist es für andere Berufsgruppen schwerer, diesen Zustand dauerhaft aufrecht zu erhalten. Es fehlt dann entweder an der Gigabit-Internetanbindung oder der notwendigen Hardware für aufwändigere Rechenoperationen oder Renderings. Aber nicht überall liegen die Argumente gegen Heimarbeit auf der Hand. "Die Unternehmenskultur spielt eine große Rolle", sagt Thomas Clauß in der Apotheken Umschau, der an der Universität Witten-Herdecke Familienunternehmen erforscht. Weiter sagt er: "Es gibt den Stereotypen des alten Patriarchen, der die Mitarbeiter im Blick haben will und sagt: 'Ich halte nichts von Homeoffice'." Ein Typus Chef, der kein Exot in der Arbeitswelt darstelle, meint Clauß.

Über Befindlichkeiten hinaus denken

Es geht bei dem Thema Heimarbeit nicht nur um Kontrolle und Vertrauen. Es ist gerade in Zeiten der Corona-Krise und Kurzarbeit viel komplexer und geht weit über Befindlichkeiten hinaus. Wer anordnet, dass Mitarbeiter wieder ins Büro kommen, erhöht die Gefahr einer Infektion. Nicht nur für sich selbst und andere Kollegen, sondern auch für den eigenen Mitarbeiter, obwohl dieser vielleicht nach wie vor eigentlich auch seine Arbeit von zu Hause aus erledigen kann. Auch die Möglichkeit der Vorerkrankungen bzw. das Angehören zur Risikogruppe und die Kindererziehung sind Faktoren, die der Chef auf jeden Fall mit einbeziehen sollte.

Es bleibt inidividuell, muss aber diskutiert werden dürfen

Das Arbeiten muss flexibler werden und sich auf Situationen, Möglichkeiten aber auch der Wünsche der Arbeitnehmer anpassen. Wer Mitarbeitern eine Freiheit durch das Arbeiten im Homeoffice geben wollte und aufgrund der Situation auch musste, wird ggf. auf Widerstand stoßen, wenn diese ihnen wieder genommen wird, wohlwissend, dass es auch weiterhin so funktionieren würde oder es gar keine Notwenigkeit für eine Rückkehr ins Unternehmensgebäude gibt.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollten sich dazu an einen (virtuellen) Tisch setzen und Vor- und Nachteile diskutieren. Ist die Umsetzung von Projekten von zu Hause in Ruhe vielleicht effizienter? Ebenso das Bearbeiten von komplizierten Excel-Tabellen? Sind kurze Videokonferenzen vielleicht doch besser, als physische Sitzungen am großen Tisch mit Smalltalk zwischendurch? Fragen, die sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen stellen und Antworten auf diese finden müssen.

Übrigens: Die Deutsche Telekom hat festgestellt, dass die Produktivität der Service-Abteilung im Homeoffice um acht Prozent gestiegen sei. Auch seien die Mitarbeiter weniger oft krank. Und bei aller Beschwerden - wir alle wissen, dass die wirklich keinen einfachen Job haben und ein dickes Fell brauchen ...

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