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Regelbetrieb für Grundschulen ab 29.06.

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Kultusministerin Susanne Eisenmann im Interview

Nach Bekanntgabe von Ergebnissen der Kinderstudie der Universitätsklinika, ist eine weitere Öffnung der Grundschulen und somit ein Schritt in Richtung schulische Normalität während der Corona-Krise möglich. Ab Montag, den 29. Juni, werden die Grundschulen und Kitas in Baden-Württemberg unter Pandemie-Bedingungen wieder in den Regelbetrieb starten. Doch wie sind die Schulen darauf vorbereitet? Wo gibt es die größten Hürden? Und wie sehen Angebote für die Sommerferien aus? Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann hat im Radio Regenbogen-Interview Rede und Antwort gestanden.

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Seit 29.06. dürfen Grundschüler wieder vollständig in ihre Schule zum Unterricht. Wie sind die Schulen vorbereitet? Welche Rückmeldungen haben Sie bekommen?
Susanne Eisenmann: Vor gut zwei Wochen haben wir den Grundschulen die Wiederöffnung angekündigt und im Detail besprochen, wie die Umsetzung ablaufen wird. Ab 29.06. wird der Regelbetrieb weiterlaufen, allerdings unter Pandemie-Bedingungen. Manche Unterrichtsfächer wie Musik, die aufgrund der Infektionssituation nicht unterrichtet werden können, werden erstmal ausfallen. Alle Kinder sind wieder an den Schulen und die Schulen haben sich darauf auch sehr gut eingestellt, da bin ich den Schulen und den Lehrerinnen und Lehrern sehr dankbar. Ich glaube auch, dass wir einen guten Start hinkriegen werden, sicherlich nicht wie vor Corona aber das wird funktionieren und ist auch ein ganz wichtiges Signal an die Kinder und die Eltern.
 
Wo liegen die größten Schwierigkeiten?
Susanne Eisenmann: Natürlich ist es tatsächlich so, dass wir Lehrer und Lehrerinnen haben, die zur Risikogruppe gehören. Diese arbeiten dann von zu Hause und machen keinen Urlaub, sondern unterstützen im Fernunterricht. Es muss abgewartet werden, wie man damit umgeht. Die staatlichen Schulämter und die Kultusverwaltung werden dann gegebenenfalls überprüfen, ob mit anderen Lehrern unterstützen werden muss. Die Frage ist dann, wieviele Personen wir vor Ort haben, die unterrichten können, angesichts ihrer eigenen Gesundheit. Aber ich bin da zuversichtlich, dass wir auch standortbezogen gute Lösungen finden werden. 
 

 
Haben Sie schon einen Überblick, wie viel Lehrkräfte als Risikogruppe ausfallen?
Susanne Eisenmann: Nein, die Zahlen werden wir jetzt noch in den nächsten Tagen erheben. Bisher ist es so, dass nach Eigeneinschätzung etwa 20 Prozent der Lehrer zu einer Risikogruppe zählen. Wir gehen davon aus, dass es wahrscheinlich ein bisschen weniger sein werden, aber unterschiedlich an jedem Standort. An manchen Standorten werden alle Lehrer da sein können, an anderen weniger. Die Kultusverwaltung muss dazu schulscharfe Lösungen finden.   
 
Wäre es eine Option mehr Lehrer einzustellen oder auch angehende Lehrer, Lehramtsstudierende einzubinden? Gibt es da Überlegungen?
Susanne Eisenmann: Wir haben natürlich Lehrer, die ihre Fächer momentan nicht unterrichten können, die uns zur Verfügung stehen und unterstützen und mitwirken können. Ansonsten lassen wir ausdrücklich die Unterstützung von Lernbegleitern zu, wo es benötigt wird. Das ist aber abhängig vom Standort. Wir haben zudem individuelle Möglichkeiten, die wir auch nutzen werden, wie zum Beispiel durch Personen, die ergänzend in den Schulen mitwirken.

Wir brauchen tatsächlich mehr Tests.

Die Abstandsregeln fallen weg. Das macht vielen Lehrkräften Sorge. Sie haben mehr Tests versprochen, eine Test-Strategie. Die ist aber noch nicht beschlossen – woran liegt das? 
Susanne Eisenmann: Wir brauchen tatsächlich mehr Tests. Der Unterschied ist natürlich, dass in allen anderen Bereichen, wie im Einzelhandel, Abstand und Mundschutzpflicht gilt. Das heben wir für die Grundschulen aufgrund von wissenschaftlichen Studien ab kommender Woche auf. Wenn wir nach den Sommerferien in einen Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen in weiterführenden Schulen gehen, geht das auch nur unter Aufhebung der Abstandsregelung. Vor diesem Hintergrund, das ist auch das Ergebnis der Kultusministerkonferenz und die Erkenntnis aller Bundesländer, können sich Lehrer und Lehrerinnen freiwillig testen lassen. Das ist ein Angebot und auch ein psychologisches Element, das wir machen müssen, um Unsicherheiten ein Stück entgegenzutreten.
Für die Lehrer und Lehrerinnen aber auch für Eltern und Schüler ist freiwilliges Testen wichtig. Wir werden daher eine Strategie brauchen, die dies ermöglicht. In Baden-Württemberg müssen wir noch beschließen, wie wir diese Strategie umsetzen wollen, aber sie ist Teil der Schulöffnung.

Ich verstehe, dass die Eltern fordern, Schulen wieder zu öffnen und dass die Kinder Bildung brauchen und das ist auch völlig unbestritten.

Wie sollte die Test-Strategie Ihrer Meinung nach aussehen? Wie sollten Tests in der Praxis laufen?
Susanne Eisenmann: Wir haben uns zunächst andere Bundesländer angeschaut, wie beispielsweise Sachsen, die eine sehr extreme Lösung haben. Dort kann sich jede Lehrkraft oder Erzieher wöchentlich freiwillig testen lassen. Das ist ein sehr weitgehendes Angebot, allerdings nehmen die wenigsten dieses Angebot war. In anderen Bundesländern wird über Drei- bis Vier-Wochen Rhythmen gesprochen. Ein anderer Punkt ist, ob man nach den Sommerferien freiwillige Tests anbietet, um sicher zu gehen, dass man sich nicht im Urlaub angesteckt hat. Das sind die Diskussionslinien in allen Bundesländern und das ist auch das, was wir uns vorstellen. Ich fordere keine wöchentlich oder zwei-wöchentlichen Tests aber wir brauchen eine Teststrategie, die widerspiegelt, dass die Lehrkräfte, Erzieher und Schüler die Möglichkeit haben sich testen zu lassen. Das ist Teil eines Hygienekonzepts und das ist auch Teil der Verantwortung, die wir haben. In Baden-Württemberg sowie in allen anderen Bundesländern werden wir eine Lösung finden.
 

  
Nach den Sommerferien soll an allen Schulen im Land der Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen stattfinden. Was heißt das konkret?
Susanne Eisenmann: Ich verstehe, dass die Eltern fordern, Schulen wieder zu öffnen und dass die Kinder Bildung brauchen und das ist auch völlig unbestritten. Natürlich gibt es aber auch viele Eltern, die sich Sorgen machen, die zur Risikogruppe gehören oder die auch Angst haben sich und ihre Kinder dieser Infektion auszusetzen. Diese Sorgen müssen ernst genommen werden. Es gibt vielerlei unterschiedliche Interessen, Wünsche und Vorstellungen. Es ist ein Abwägungsprozess. Konkret arbeiten wir daran, dass nach den Sommerferien, ab September, auch in den weiterführenden Schulen regelmäßiger Präsenzunterricht unter Pandemie-Bedingungen möglich ist. Das sind viele Maßnahmen, die wir ergreifen müssen aber das ist die Zielsetzung: so normal wie möglich unter Corona-Bedingungen. Das heißt aber auch, dass wir noch andere Möglichkeiten wie Hygienekonzepte brauchen. An diesen Punkten arbeiten wir und das ist das, was konkret im Raum steht und was wir umsetzen wollen. All diese Ziele hängen von der Infektionsentwicklung ab und alternativ gibt es die Planung eines weiteren rollierendem Systems im Wochenrhythmus, um Abstandsregeln einhalten zu können.
 

 
Wie laufen die Planungen? Bis wann werden die Schulen Planungssicherheit bekommen? Müssen sich Schüler, Lehrer und Eltern auf Dauer auf einen Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht einstellen?
Susanne Eisenmann: Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen heißt jeden Tag für alle Schülerinnen und Schüler Schule. Natürlich wird sich eher auf Kernfächer konzentriert. Morgens wird der Unterricht versetzt beginnen, dass nicht alle Schüler gleichzeitig in die Schule kommen. Auch die Pausen werden versetzt sein. Die Situation würde allerdings ganz anders aussehen, wenn wir eine zweite Corona-Welle bekommen würden. Wenn in einer Schule Corona nachgewiesen wird, muss das Gesundheitsamt eine Entscheidung treffen und dann könnte es auch zu Schulschließungen kommen. Das können wir nicht verändern oder beeinflussen und müssen daher verantwortungsbewusst umgehen und eine Perspektive bieten. Der ganze Schulbetrieb ist davon abhängig, wie sich die Infektionsrate verhält. Hoffentlich gibt es keine Verhältnisse wie aktuell in Nordrhein-Westfalen oder Israel, wo sich die Infektionsrate erst verringerte, jetzt aber wieder anstieg. Ich habe Verständnis für diese Unsicherheit, allerdings kann ich sie nicht nehmen. Wir sind verlässlich in unseren Aussagen, haben aber immer die Unwägbarkeit, wie sich Corona entwickelt.

Dieses Schuljahr war kein normales... 

Viele Schüler haben Nachholbedarf. Wird es Angebote in den Sommerferien geben, um Lehrstoff zu wiederholen oder nachzuarbeiten? Wie sehen die aus?
Susanne Eisenmann: Dieses Schuljahr war kein normales, vieles lief gut aber manches lief am Anfang etwas holprig. Die Kultusverwaltung war auf solch eine Situation nicht vorbereitet. Deshalb muss es Angebote geben, um den Schülern im nächsten Schuljahr zu helfen. Wir müssen uns überlegen, wie wir Lerninhalte auf Wiederholen ausrichten und so einen gemeinsamen Standard bei den Schülern erreichen. Dazu gehören freiwillige Angebote für die Sommerferien. Zwei Wochen können Schülerinnen und Schüler an den sogenannten Lernbrücken teilnehmen. Dort können sie drei bis vier Stunden täglich fehlenden Stoff nachholen. Dieses Angebot wird freiwillig sein, auch für die Lehrer und Referendare, die uns dabei helfen werden. Referendare werden im Gegenzug einen Arbeitsvertrag bekommen. Meiner Meinung nach ist das der richtige Ansatz, um den Stoff der letzten Monate wieder aufzuholen. Für die Lernbrücken werden wir 13 Millionen Euro investieren, die sehr wichtig sind, um zu Beginn des nächsten Schuljahres alle Schüler auf dem gleichen Stand zu haben. Ganz klar ist aber auch, dass wir zusätzlich im nächsten Schuljahr auf die Corona-Zeit reagieren müssen.

Sind die zwei Wochen festgelegte Wochen?
Susanne Eisenmann: Im Schwerpunkt werden sie für die zwei letzten Wochen angesetzt, aber die Schulen können individuelle Lösungen treffen. Wir empfehlen zwar die letzten zwei Wochen, um für eine gewisse Konstanz zu sorgen, aber das ist nicht in Stein gemeißelt.

Das Sommerferien-Angebot gilt für alle Schüler

Gilt dieses Angebot für alle Schüler?
Susanne Eisenmann: Ja, es gilt für alle Schüler. Die Lehrer werden aber einzelnen Schülern das Angebot ans Herz legen und Schüler selbst können auch bei auftretenden Schwierigkeiten, sich anmelden. 
 
Wer soll diese Angebote durchführen? Gibt es schon Rückmeldungen seitens der Lehrer?
Susanne Eisenmann: Es ist zunächst mit den Kommunen abgestimmt, da sich auch um Schülerbeförderung gekümmert werden muss. Wir haben den Schülern angekündigt, wie wir es machen und ich bin zuversichtlich, dass viele Lehrer und Referendare Lust haben auszuhelfen. Wir werden niemanden verpflichten, es ist ein freiwilliges Angebot.

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