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Erfahrungsberichte: So fühlen sich Covid-19-Genesene nach der Krankheit

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"Dreimal in den Keller laufen fällt mir schwer."

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) gelten 176.300 Covid-19-Patienten (Stand: 24.06.2020, 12.00 Uhr) in Deutschland als „geheilt“. Mit welchen Folgen sich die Genesenen nach überstandener Krankheit rumschlagen müssen, ist kaum bekannt. Wir haben mit drei Covid-19-Genesenen aus Baden & der Pfalz über ihren Krankheitsverlauf und den Spätfolgen des Virus gesprochen.

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Harald Potsch ist 50 Jahre alt und kommt aus Deidesheim. Am 22. März, einem Sonntag, fühlte er sich krank und bekam Fieber. Am nächsten Tag erfuhr er von seinen Freunden, dass sie auch krank sind und positiv auf Covid-19 getestet wurden. „Ich habe am Dienstag meinen Arzt angerufen. Der wollte mich zunächst nicht testen lassen“, erzählte der 50-Jährige, „weil er meinte, dass ich sowieso Corona habe, da könne man sich die Ressourcen direkt sparen.“ Da Harald Potsch selbstständig ist, wollte er sich sicher sein und bestand auf einen Test. Ergebnis: positiv! Neun Tage lang lag der Deidesheimer zu Hause mit 38 bis 40 Grad Fieber. Am neunten Tag bekam er immer schlechter Luft und wurde ins Krankenhaus nach Neustadt gebracht. Nach einigen Tests wurde Harald Potsch auf die Intensivstation gebracht. „Ich musste nicht künstlich beatmet werden. Ich bekam nur Sauerstoff“, erzählte der 50-Jährige. Nach zwei Tagen wurde er auf die normale Station in Isolation verlegt. Insgesamt verbrachte er fast 10 Tage im Krankenhaus. Harald Potsch erinnert sich:

„Die Ärzte sagten mir, ich sei dem Teufel nochmal von der Schippe gesprungen.“

Eine Woche nach der Entlassung ging es für den 50-jährigen Deidesheimer zur Nachkontrolle. Als seine Lunge geröntgt wurde, sah man, dass es der Lunge sehr schlecht geht. Danach wurde eine Computertomografie (CT) gemacht. Da auch dieses Ergebnis nicht gut aussah, wurde er wieder ins Krankenhaus eingeliefert. Der Verdacht: Das Virus hat sich in seiner Lunge eingenistet. Nach zwei negativen Corona-Tests konnte der 50-Jährige das Krankenhaus wieder verlassen.
Harald Potschs Lunge muss sich nach der Covid-19-Erkrankung selbst regenerieren. Das kann bis zu einem Jahr dauern, sagten ihm die Ärzte. Der Deidesheimer erzählt, wenn er sich nicht anstrenge, gehe es ihm gut. „Sobald ich Steigungen laufen muss, zum Beispiel die 300 Meter vom Parkplatz zur Kalmit hoch, ist das für mich wie der Mount Everest. Dreimal in den Keller laufen, fällt mir auch schwer“, so der 50-Jährige. Vor Corona habe er keine Vorerkrankungen gehabt. Er sei komplett gesund gewesen: „Ich war Fußball-Schiedsrichter, bin viel gerannt. Ich hatte kein Diabetes, keine Lungenprobleme, keine Herzprobleme, kein Bluthochdruck, gar nichts…“ Wenn er Leute trifft, erzähle der Deidesheimer immer von seinem Krankheitsverlauf und dessen Folgen. „99 Prozent der Leute erzählen mir dann immer, dass ich der Erste bin, der das so erzählt“, so der 50-Jährige. Er selbst findet die Krankheit heimtückisch, weil niemand weiß, was der Virus im eigenen Körper anrichtet.
 
"Ich dachte zuerst an eine normale Erkältung"

Christiane Schwan aus Brühl ist Erzieherin. Am 16. März ging sie zum Arzt, da sie über Gliederschmerzen, Fieber und Husten klagte. An Corona dachte sie nicht: „Ich dachte zuerst an eine normale Erkältung. Ich hatte einen feuchten Husten. Man sagte ja immer, dass man bei Corona eher einen trockenen Husten hat.“ Vom Arzt wurde sie krankgeschrieben aber nicht getestet. Am achten Krankheitstag verlor sie ihren Geschmacks- und Geruchssinn. Da wurde Christiane Schwan bewusst, dass etwas nicht stimmen kann. „Meine engste Familie hatte Angst, dass sie sich angesteckt haben. Aber nur meine jüngste Tochter hat sich angesteckt, die Älteren nicht. Meine Mutter ist schon 82 Jahre alt. Da hatte ich ein bisschen Angst, aber sie war auch gesund“, erzählte die Erzieherin. Vor paar Jahren hatte Christiane Schwan auch die Influenza. Da habe sie drei Wochen starkes Fieber gehabt. Nach der Krankheit war aber alles wieder gut. Anders ist es bei Covid-19: „Die Corona-Infektion beeinträchtigt mich eher nach der Krankheit. Während der Erkrankung ging es mir drei Wochen schlecht und ich habe viel geschlafen. Die Auswirkungen auf Dauer halten jetzt noch an.“ Wie auch Harald Potsch klagt auch die Brühlerin über Probleme mit der Lunge und Schmerzen beim Einatmen. Nach einem Besuch bei einem Lungenfacharzt wurden bei der Erzieherin Entzündungen im Lungengewebe festgestellt. Zweimal am Tag müsse sie jetzt ein Kortison-Spray benutzen. Vor einigen Jahren war die Brühlerin Asthmatikerin:

„Vor vier Jahren hat das aufgehört. Da brauchte ich keine Asthmamittel mehr. Doch das ist jetzt wiedergekommen.“

In Supermärkten trägt Christiane Schwan trotzdem eine Maske. Es sei ihr wichtig, dass sich auch die anderen Leute sicher fühlen. Sie störe die Maske auch nicht. Insgesamt sei sie jetzt glücklich, sich keine Gedanken machen zu müssen, wo sie hingeht oder mit wem sie in einem Aufzug steht.

Plasma-Spenden für die Forschung

Andreas Kaiser ist Mitte 30 und kommt aus Graben-Neudorf. Noch vor Fasching hatte er sich in Ischgl mit dem Coronavirus infiziert. Er selbst ist sportlich und hatte keine Vorerkrankungen. Der Verlauf der Infektion ist bei ihm recht relativ glimpflich verlaufen. „Angefangen hat es mit leichten Gliederschmerzen und Kopfschmerzen. Das schlimmste waren tatsächlich die ersten drei Tage. Da hatte ich hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, starke Gliederschmerzen“, erzählt Andreas Kaiser. Insgesamt war er zwölf Tage krank. Nach der Infektion hatte er immer wieder das Gefühl, seine Lunge sei noch nicht zu 100 Prozent wieder da. Er spürte ab und zu ein Ziehen oder Stechen in der Lunge. Das habe sich jetzt, nach drei Monaten, wieder gelegt. Andreas Kaiser zu den zunehmenden Corona-Lockerungen:

„Ich kann nur appellieren vorsichtig zu sein, weil jetzt kann man sagen, dass es bei mir ziemlich glimpflich verlief. Doch sage ich, dass es hätte auch anders kommen können. Man sieht auch an vielen Fällen, dass die Krankheit viel stärker ausschlagen kann.“

Seit drei Monaten nimmt er an einer Studie zu Antikörpern in Heidelberg teil. Dort spendet er zweimal die Woche Plasma. Vor jeder Spende wird er noch einmal untersucht, ob auch alles in Ordnung ist. „Das gibt einem noch mal Sicherheit“, so der Graben-Neudorfer. Bei der Spende sitzt er etwas eine Stunde am Tropf. Da werden ihm 680 ml Blutplasma abgenommen. Solange es der Forschung helfe, spendet er weiter, erzählt Andreas Kaiser.
 
 
 

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