Magazin

Studie zu E-Zigaretten: Lunge, Herz und Gehirn werden geschädigt

Anzeige

E-Zigaretten haben ein Suchtpotenzial, das höher eingeschätzt wird, als das von normalen Tabakzigaretten.

Wissenschaftler aus Mainz und Boston veröffentlichten neue Erkenntnisse über schädigende Mechanismen von elektronischen Zigaretten. Bei der Studie wurde identifiziert, dass durch das Rauchen von E-Zigaretten Lunge, Herz und Gehirn geschädigt wird.

Anzeige

Wissenschaftler des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, des Instituts für Anorganische Chemie und Analytische Chemie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) sowie der Harvard Universität in Boston (USA) führten eine Studie zu den Nebenwirkungen von E-Zigaretten. Die elektrischen Zigaretten galten lange als gesündere Alternative zu herkömmlichen, brennbaren Zigaretten und wurden sogar als Methode zur Raucherentwöhnung vermarktet. Nach jüngsten Erkenntnissen der US-Gesundheitsbehörde sind in den USA mehr als 30 Menschen im Zusammenhang mit erhöhtem E-Zigaretten-Konsum gestorben.

Allein das Dampfen reicht aus um Herzfrequenz zu erhöhen 

Die Studie aus Mainz und Boston zeigt, dass E-Zigaretten mit und ohne Nikotin Schäden an Lunge, Herz und Gehirn verursachen können. Der Kardiologe Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel vom Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin in Mainz ist Leiter der Studie: „Für die nun publizierte Studie haben wir bei 20 gesunden Rauchern die Wirkung von E-Zigarettendämpfen auf die Durchblutung der Brachialarterie (Hauptartierie zur Versorgnung des Arms) im Oberarm untersucht, und zwar kurz bevor sie eine E-Zigarette dampften und 15 Minuten danach.“ Dabei kamen die Wissenschaftler zu der Erkenntnis, das Dampfen ausreichend ist, damit sich die Herzfrequenz erhöht und die Arterien versteifen. Auch die Endothelfunktion war bei den Rauchern eingeschränkt. Die Funktion des Endothels ist es, Arterien von innen auszukleiden, damit sich Blutgefäße im gesunden Maß erweitern und verengen können. Ebenfalls schützt es vor toxischen Substanzen, Entzündungs- und Blutgerinnungsprozessen und verhindert den Prozess der Gefäßverkalkung. Liegt eine Endotheldysfunktion vor, kann es zu einer Herz-Kreislauf-Erkrankung kommen.

Suchtpotenzial von E-Zigaretten höher als eingeschätzt

„Wir wissen, dass E-Zigaretten im Vergleich zu normalen Tabakzigaretten weniger toxisch sind“, so Uni-Professfor Dr. Thomas Münzel, „unsere Studie belegt jedoch, dass ein Kurzzeitgebrauch von E-Zigaretten in der Lage ist, in Gefäßen, Lungen und Gehirnen den oxidativen Stress zu erhöhen.“ Das könnte kurzfristig aber auch langfristig negative Auswirkungen auf die Funktion dieser Organe haben. Um mögliche gesundheitliche Folgen von E-Zigaretten besser beurteilen zu können, sind Langzeitstudien erforderlich, so Dr. Münzel. Das Ergebnis der Studie ist, dass E-Zigaretten ein Suchtpotenzial haben, das höher eingeschätzt wird als das von normalen Tabakzigaretten. Kinder und Jugendliche, die E-Zigaretten geraucht haben, rauchen später dreimal so häufig Tabakzigaretten. „Entscheidend ist auch, Jugendliche und ihre Familien über die Gefahren von Tabak aufzuklären“, erklärt der Studienleiter.

Anzeige