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Clubhouse: Das verbirgt sich hinter der erfolgreichen App

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Chancen und Risiken der Audio-Plattform

Eine Blase von digital-affinen Unternehmern, Kreativen aber auch Journalisten kennt momentan nur ein Thema: Clubhouse. Das ist eine App, über die Nutzer in virtuellen Tagungsräumen und Podiumsdiskussionen teilnehmen oder einfach nur zuhören und sich darüber verbinden können. Doch welche Chancen und Risiken birgt die App?

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Nur der Ton spielt die Musik

Der neue und auch erfrischende Ansatz der App ist, dass sie nur übers Audio funktioniert. Eine Webcam benötigt diese App nicht. Das heißt, dass du auch auf der Couch im unaufgeräumten Wohnzimmer, bekleidet nur in Shirt und Jogginghose, bedeutungschwangeren Räumen und Diskussionen beiwohnen, zuhören oder und mitreden kannst. Damit bildet die App einen Kontrast zu Facebook, Instagram, TikTok & Co., die einen starken Fokus eben auch auf visuelle Inhalte wie Bilder, Video-Clips und Livestreams haben.

Clubhouse deckt einen nur menschlichen und aktuellen Bedarf

Die aktuelle Zeit, in der wir leben, ist ein weiterer Faktor, der diese App so erfolgreich macht. Wir befinden uns noch immer im Corona-Lockdown und müssen Kontakte und die Möglichkeit der Selbstdarstellung reduzieren. Das bedeutet auch, dass wir beispielsweise im Homeoffice weit weniger zufällige Begegnungen haben, aus denen Geschäftsbeziehungen, Bekanntschaften oder gar Freundschaften entstehen können - egal ob bei Kongressen, Veranstaltungen, in Bars, Restaurants oder anderswo. Diesen Bedarf scheint die App mit der sowohl aktiven als auch passiven Teilnahme an Podiumsdiskussionen und der Vernetzung mit anderen Nutzern zu decken. Man könnte fast so weit gehen und sagen: "Endlich reden die Leute wieder miteinander."

Der Entwickler Alpha Exploration aus den USA beschreibt die App als "eine neue Art von sozialem Dienst, der auf Sprache basiert und es Menschen überall auf der Welt ermöglicht, sich zu unterhalten, Geschichten zu erzählen, Ideen zu entwickeln, Freundschaften zu vertiefen und interessante neue Leute zu treffen". Aber da kommen wir zu dem ersten Problem, das die App hat.

Kritik an künstlicher Verknappung

Wer Teil von Clubhouse werden will, muss zunächst von einem bereits angemeldeten Nutzer eingeladen werden. Auch das könnte einer der Gründe sein, warum die App noch nicht von Menschen geflutet wurde, denen man weder zuhören noch mit ihnen diskutieren möchte, da ihre Ansichten nicht unbedingt der Realität entsprechen. Das ist gut für viele derjenigen, die bereits drin sind, macht es aber gleichzeitig auch anderen Interessenten schwierig, die sich das Treiben auf der App einfach nur mal anschauen bzw. anhören wollen, ohne Hetze und Verschwörungstheorien verbreiten zu wollen. Neben dieser Anmeldestrategie von Clubhouse schauen aber auch noch Nutzer von Android-Smartphones in die Röhre, da es die App bisher nur für iOS bzw. iPhones gibt. Daher sieht sich Clubhouse aktuell auch der Kritik ausgesetzt, dass sie dort wissentlich Nutzer aussieben und ausschließen wollen.

Unkuratiert, live und roh

Jeder Nutzer bei Clubhouse hat die Möglichkeit, einen eigenen Raum zu öffnen, diesen zu moderieren, Themen anzustoßen und mit anderen, die diesem Raum beitreten können, zu diskutieren. Der Ton dabei ist bisher erstaunlich ruhig und sachlich, statt hitzig und destruktiv. Auch das Thema Mehrwert und der Austausch mit Leuten, an die man so vielleicht gar nicht herankommen würde, ist ein bisher durchaus positiver Aspekt der App.

Es gibt zwar einen prominent auffindbaren Button mit den Regeln der App, jedoch ist bisher nur sehr undurchsichtig klar, in wie weit Missbrauch der Funktionen und das Verbreiten von Hate-Speech, Fakenews und Fremdenfeindlichkeit kontrolliert und eine angemessene Diversität gewährleistet wird. Nutzer müssen mindestens 18 Jahre alt sein und ihren Klarnahmen verwenden. Auch das Mitschneiden und Transkribieren von Gesprächen und Diskussionen ist verboten. Wer es aber wirklich darauf anlegt und sich darüber hinwegsetzen will, wird das vermutlich auch tun. Das weiß auch der Entwickler Alpha Exploration Co. im US-Bundesstaat Utah, der wahrscheinlich genau deswegen so lange wie möglich an der künstlichen Verknappung festhalten wird. Denn spätestens dann, wenn die bisher angemeldete "Elite", zu der sich auch zahlreiche Influencer und Promis zugehörig fühlen, nicht mehr das Gefühl haben, die "Elite" auf der App zu sein, wird diese belanglos und uninteressant für sie werden - und damit auch für ihre Follower, denen sie gestern noch erzählt haben, wie toll und exklusiv Clubhouse ist. In Social Media der mittlerweile wenig überraschende Lauf der Dinge, dem schon andere Plattformen anheimgefallen sind. Viele von denen sind jedoch nach wie vor erfolgreich, beispielsweise Facebook oder Instagram. Aus diesem Grund ist schwer zu sagen, wie die Zukunft von Clubhouse aussehen wird, sollten sie nicht von dem Branchenprimus gekauft und ihre Funktionalität in die dort bereits bestehenden Plattformen migriert werden.

Und dann ist da noch der Datenschutz ...

Kein neues soziales Netzwerk ohne das Auseinandernehmen ihrer Datenschutzrichtlinien, was gerade in der heutigen Zeit für Betreiber anstrengend aber umso wichtiger für ihre Nutzer ist.

Um die App nutzen zu können, fordert sie den Zugriff auf sämtliche Kontakte im Adressbuch an. Das gilt auch für das Verbinden mit Social-Media Kanälen zu einem späteren Zeitpunkt in der App. Datenschützer in Deutschland und Europa raufen sich bei diesem Vorgehen die Haare, da Anwender eigentlich zuvor jeden einzelnen Kontakt um Erlaubnis fragen müssten, bevor die persönlichen Daten auf Server in den USA übertragen werden. Somit hat der Entwickler eine unermessliche Anzahl von Daten in Form von Kontaktinformationen auch von Nutzern, die die App gar nicht installiert haben. Für viele datenschutzbedachte Menschen ein K.O.-Kriterium, die App nicht zu nutzen, um keinen Teil dazu beizutragen.

Es bleibt abzuwarten

Es ist seit der Manifestation von Facebook, Instagram, WhatsApp und Twitter als "Big Player" jedes Mal eine spannende Frage, ob ein weiterer Dienst hinzu kommt, der - sofern er nicht aufgekauft wird - eine ebenso große Rolle in der Riege der großen sozialen Netzwerke spielen wird. Der Ansatz, nur über den auditiven Kanal zu gehen und das mit der Komponente eines sozialen Netzwerks zu kombinieren, ist sicher gut und innovativ. Jedoch bleibt abzuwarten, wie sich die Dynamik bei Clubhouse entwickelt, wenn der Dienst nach dem Aufheben der Einschränkungen in der Registrierung und den Plattformen von viel mehr Nutzern geflutet wird. Zudem bildet der Datenschutz einen nach wie vor großen Kritikpunkt, der viele Interessenten abschrecken dürfte. Aber das haben sie bei Facebook, Instagram & Co. auch gesagt ...

 

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