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Darum hat sich Fabienne aus Plankstadt für einen Pflegeberuf entschieden

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"Es ist eine Berufung!"

Spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie wird immer wieder über sie gesprochen: Frauen und Männer in Pflegeberufen und die damit einhergehende Belastung und die viel zu geringe Bezahlung angesichts der wichtigen Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die dieser Job mit sich bringt. Viele Pflegende arbeiten seit Wochen und Monaten Schicht um Schicht um Schicht, und dürfen trotz Erschöpfungserscheinungen ihre Patient:innen nicht aus den Augen lassen, denn im Ernstfall geht es um Leben und Tod. Dabei erleben die Pflegenden Situationen, die sich Außenstehende nicht einmal im Traum vorstellen wollen. Um darauf aufmerksam zu machen, braucht es keinen Applaus vom Balkon oder warme Worte aus der Politik. Auch keinen "Tag der Pflege", der heute ist. Auf die Umstände und die Wichtigkeit dieser Berufsgruppe kann nicht oft genug hingewiesen werden. Das heißt aber auch, dass darüber gesprochen werden sollte, dass sich junge Menschen aller Umstände zum Trotz eben genau für diesen Beruf entscheiden. Mit einer von ihnen haben wir gesprochen. Fabienne aus Plankstadt ist Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin und eine Berufsumsteigerin - sie hat vorher etwas ganz anderes gemacht und sich dann für eine Ausbildung im Pflegebereich entschieden. Warum sie diese Entscheidung getroffen und bisher nicht bereut hat, erfährst du hier.

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Tatsächlich war dieses Thema in meinem Kopf und in meinem Herzen schon immer präsent

Fabienne hatte vor ihrem Wechsel in den Pflegeberuf in der Veranstaltungsbranche gearbeitet und bereits dort schon in jungen Jahren viel erlebt und gesehen, was weit weg von Pflegeberufen war. Aber: "Tatsächlich war dieses Thema in meinem Kopf und in meinem Herzen schon immer präsent", beschreibt sie im Interview mit Cristina Klee und Otti aus dem Morgen. 2015 hat Fabienne ihr Abitur gemacht "und da stand die Pflege für mich erstmal nicht so im Fokus. Ich wusste, dass mir das sicherlich irgendwie gefallen würde, aber natürlich hat man als Frisch-Abiturient erstmal ganz andere Ideen", so Fabienne weiter. Also hat sie einen Ausbildungsberuf in der Eventbranche eingeschlagen, mit dem sie zunächst auch sehr zufrieden war, wie sie sagt. "Ich habe aber im Laufe der Zeit gespürt, dass in mir ein großer Wunsch für die Pflege da ist und deswegen habe ich dann mit 22 gesagt 'Gut, ich breche alle Zelte ab und starte einfach noch mal neu'". Gesagt, getan!

Darum nimmt sie hohe Belastung und schlechte Bezahlung in kauf

Pflegeberufe gelten als stressig, belastend und schlecht bezahlt. Umstände, die in den Augen vieler junger ambitionierter Menschen wenig attraktiv klingen. "Aber es ist eine Berufung. Ich habe das Gefühl, dass alle Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, das genauso sehen", erzählt Fabienne. Sie mache es gerne und nehme den Stress auch gerne auf sich. "Natürlich ist der Personalmangel präsent, man weiß das und man spürt es auch aber ich kann nur sagen, ich geh morgens mit einer großen Motivation rein und gehe abends mit einem Lächeln nach Hause."

Ich spüre, dass ich etwas Gutes getan habe

Worte, bei denen Pflegende in verantwortlichen Positionen merken sollten, dass nicht alles verloren scheint, was diese Branche angeht. "Ich spüre, dass ich etwas Gutes getan habe und ich war für Menschen da und das ist das, was mich auch jeden Tag antreibt."

"Kleines Helfersyndrom"

Fabienne sagt, dass der Beruf als solcher schon Motivation genug sei. Sie gesteht aber auch, dass ihr "kleines Helfersyndrom", von dem sie selbst sagt, dass sie das habe, durch diesen Beruf auch befriedigt werde. "Ich glaube, da spreche ich vielen Pflegenden aus der Seele", erzählt sie. Es sei unfassbar gut, wenn man so etwas hat und es durch seinen Beruf kompensieren könne.

Das Lächeln der Kinder

Was bei Eltern wie eine abgedroschene Phrase klingt, scheint bei Fabienne an der Tagesordnung zu sein, als Cristina Klee und Otti sie nach ihren schönsten Erlebnissen fragen. "Egal, wie schlecht es Kindern geht und was sie für Schicksale vielleicht auch haben, sie geben einem immer, immer, immer ganz viel zurück. Und wenn man ihnen mit einer offenen Art und offenem Herzen entgegen tritt, dann saugen sie das auf und geben einem durch das Lächeln und durch ihre Art so viele wunderschöne Momente und die möchte ich nie wieder missen."

Angesichts der teilweise schwierigen Umstände könnte man auch auf die Idee kommen, einen Schritt, wie ihn Fabienne getan hat, auch stellenweise zu bereuen. Jedoch scheint das nur die Außenwahrnemung und Mutmaßung zu sein, denn Fabienne sieht das ganz und gar nicht so. Sie sagt, sie habe bisher "keine Sekunde" ihrer Entscheidung bereut, und das obwohl sie sagt: "Natürlich hatte ich auch Angst, als damals die Geschichte mit Corona aufkam. Was verändert das? Was verändert das auch für mich? Ich bin jetzt auch im Homeschooling (Berufsschule, Anm. d. Red), wie jeder andere Schüler auch und ich arbeite in einem Beruf, in dem die praktische Ausbidung noch sehr sehr viel wichtiger ist, als in anderen Berufen. Und deswegen bricht da schon einiges weg." Die Ausbildung habe das nicht gerade vereinfacht, sagte sie, "aber ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass das das Richtige für mich ist und fühle mich da total bestätigt, jeden Tag, wenn ich in die Klinik darf".

Fabiennes Apell an die Männer

Pflegeberufe, gerade in der Kinderpflege, sind eine Frauendomäne. Fabiennes Kurs besteht aus 22 Frauen zwischen 18 und 25 Jahren und keinem Mann. Deswegen ihr Aufruf: "Meldet euch an, bewerbt euch! Die Kinderkrankenpflege brauch männliche Pfleger!"

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