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Schulstart in Baden-Württemberg: Kultusministerin Theresa Schopper im Gespräch

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Die baden-württembergischen Schülerinnen und Schüler starten ins neue Schuljahr. Wir haben mit der Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) darüber gesprochen, wie es im kommenden Jahr an den Schulen weitergehen soll und was Lehrer, Schüler und Eltern erwartet.

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Was hat sich seit den Ferien verändert?

Vor den Ferien habe man besorgt auf die Infektionszahlen durch die Delta-Variante geblickt, so die Kultusministerin. Jedoch kam in den Ferien die Empfehlung der STIKO, dass sich jetzt auch Kinder ab 12 Jahren impfen lassen können.
 

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„Wir haben in den Bundesländern, die schon mit der Schule begonnen haben, gesehen, dass das Infektionsgeschehen gar nicht so sehr über Reiserückkehrer, sondern über familiäre Situationen in die Schulen getragen werden“, so Kultusministerin Theresa Schopper. „Wir haben nach wie vor den Punkt, dass wir mit der Maske beginnen und wir werden die Maske auch länger tragen. Weil jetzt natürlich die Frage der Quarantäne, wenn ein Fall auftritt das einen sehr engen Zusammenhang mit der Maske haben wird. Und wenn die Maske unten ist, dann müssen die Leute in Quarantäne.“ Es werde weiterhin an den Schulen getestet.

Schulen haben Anträge gestellt für Lüftungsgeräte. Wie viele wurden davon schon bewilligt und womöglich geliefert, installiert?

Bei der Verteilung der Gelder für Lüftungsanlage wird es laut Kultusministerin Schopper eine Priorisierung geben. Zuerst bekommen Schulen Gelder, die aktuell gar keine Lüftungen oder Co2-Ampeln haben. „Wir gehen da von Priorisierungsliste zu Priorisierungsliste.“ Genug Gelder seien dafür bereit: „Wir haben von der Landesseite 170 Millionen [Euro] bereitgestellt und nochmal von der Co-Finanzierung her 70 Millionen von der Kommunalen Familie, die Schulträger sind, und nochmal 26 Millionen von Bundesebene, wo wir gucken müssen wie wir die einsetzen möchten.“
 

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Luftfilteranlagen

 

Wie sieht es mit der „Rückenwind“-Nachhilfe im neuen Schuljahr aus?

„In anderen Bundesländern bekommt jedes Kind einen Gutschein für das, was es braucht in die Hand gedrückt und sie gehen dann ins Nachhilfe-Institut. Wir möchten das eher alltagsintegriert machen und haben deshalb auch einen Aufruf gestartet für die Lehramtsstudierenden und Lehrkräfte, die sozusagen aus der Pension zurückkommen und fachlich dazu geeignet sind, Defizite aufzuarbeiten“, so Theresa Schopper. Natürlich habe man auch die außerschulischen Partner wie die Volkshochschulen und Nachhilfe-Institute. Das Land werde versuchen, es integriert an den Schulen zu machen, weil die Lehrkräfte genau wissen, wo es bei welchem Schüler fehlt. Und genau da möchten das Bildungsministerium ansetzen.

Wie sah es mit der Motivation im letzten Schuljahr aus?

„Natürlich hat für viele das [letzte Schuljahr] eine sehr anstrengende Variante und Note gehabt, wenn man den Unterricht digital hat und wenn man das Gefühl hat ‚Mensch, die habe ich jetzt alle in dieser Gesamtheit in der Mittelstufe nicht gesehen.‘ Dass man da irgendwann sagt, ob ich mich jetzt um 8 oder halb 9 zuschalte, lasse ich mal stecken“, so Kultusministerin Schopper. Sie sei glücklich, dass die Schüler nach Pfingsten wieder in die Schulen kamen.

„Ich bin den Lehrkräften, Eltern und Schülern sehr dankbar wie sie das letzte Jahr gemeistert haben.“

Sie hoffe, dass sie nicht nur die Lerndefizite aufarbeiten werden, sondern auch den emotionalen Rucksack Stück für Stück erleichtern können.
 

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Motivation im letzten Jahr

Mal abgesehen von Corona – wie ist die Lehrer-Situation aus? 

Die größten Sorgen machen die Lehrkräfte sowohl an den Grundschulen als auch im sonderpädagogischen Bereich, so die Ministerin. Dort sei die Situation am schwierigsten. „Dort ist die Expertise mit am größten, dass bei der Betreuung und beim schulischen Bedarf abgedeckt wird. Wir werden da sehr auf Kante ins nächste Schuljahr starten. Das ist ein richtig dickes Brett, wie wir da Leute in die Schulen bekommen, um das Defizit im Sonderschulischen Bereich abzumildern.“
 
Wie soll der Lehrermangel beseitigt werden?

„Wir haben Wunschgegenden wo wir kein Problem haben. Da gibt es mehrere Bewerberinnen und Bewerber haben. Da geht es um die Städte rund um die Universitätsstandorte herum. Das liegt daran, dass man da [als Studentin oder Student] war und man da einen Freundeskreis gebildet hat.“ Es sei so, dass da ein gewisser „Klebeeffekt“ bleibe. Es sei leider so, dass es da ein Stadt-Land-Gefälle gebe. Insgesamt müsse geschaut werden, dass da mehr Leute aus dem Grundschulbereich in diese Schulen kommen. Es kommt schon vor, dass es am Wunschort die Möglichkeit mit dem Vertrag unterzukommen, die dann lieber auf eine Verbeamtung verzichten.

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