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Sicheres Geschäft: Tierarztpraxen werden für die Börse gekauft

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Schon seit einigen Jahren versuchen Unternehmen Tierarztpraxen zu kaufen und immer mehr Tierärzte machen mit. Die Tierärztekammer sieht das kritisch, doch für Praxen kann das Geschäft von Vorteil sein.

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Kritik
 
Oft interessieren sich die Konzerne für ohnehin schon gut laufende Praxen. Nach dem Kauf bleiben die Tierärzte Geschäftsführer. Das Wohl des Tieres sollte eigentlich für die Ärzte das höchste Ziel sein, doch Aktiengesellschaften sind meist nur an hohem Gewinn interessiert und das führt zu Konflikten. 
 
Laut Gesetz dürfen Praxen nur Tierärzten gehören und nicht einem gewinnorientierten Konzern. Daher müssen die Gesellschaften Anträge bei der Tierärztekammer stellen und eine Ausnahmegenehmigung beantragen sowie die Eigentümerstruktur neu aufstellen.
 
Tierbesitzer müssen voraussichtlich tiefer in die Tasche greifen
 
Aktiengesellschaften kalkulieren ihren Gewinn knallhart und nehmen dadurch gerne höhere Behandlungskosten in Kauf. 
Untersuchungen werden immer aufwändiger, teure Geräte mehr ausgelastet und es wird mehr behandelt, als eigentlich nötig wäre. Infolgedessen muss der Tierbesitzer mehr zahlen und der Gewinn der Praxis steigt.
Die Tierärztekammer kritisiert außerdem, dass Ärzte auf Grund ihrer Abhängigkeit vom Konzern nicht mehr frei in der Entscheidung über Medikamente, Futter und Verbrauchsempfehlungen sind.
 
Verlockendes Angebot für Praxen
 
Das neue Modell lockt Praxen dennoch an. So haben die Konzerne beispielsweise ein größeres Netzwerk und viel Geld, um die Sicherheit des Unternehmens zu garantieren. Auch die private Absicherung der Ärzte spielt bei der Verkaufsentscheidung sicherlich eine große Rolle und das langfristig hohe medizinische Niveau klingt vielversprechend.
 
Tochtergesellschaft von Nestle oder der Schokoriegelhersteller Mars bieten Tierärzten Millionen für den Verkauf ihrer Praxen. Diese Unternehmen vertreiben selbst Haustierwaren wie Futter und erhoffen sich dadurch ein gutes Geschäft.
Und es scheint zu funktionieren. Bereits Anfang 2021 befanden sich mehr schon mehr als 350 Praxen an der Börse.
 
Selbstständige Praxen
 
Tierärzte, die selbständig bleiben, werben stattdessen mit guten Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeiter und die Liebe zum Wohl des Tieres, das an erster Stelle steht.
Hier gibt es keinen Konzern, der vorschreibt, welches Futter oder Medikament wie oft im Monat verkauft oder verabreicht werden soll und welche kostspieligen Behandlungsmethoden angewendet werden wollen.
Es gibt als auch noch weiterhin genügend Tierärzte, die ihre Praxis nicht für 49,0% an Anteilhaber verkauft haben.
 

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