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So erkennst du Manipulation durch Gaslighting

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Holzauge sei wachsam!

Kommunikation ist manchmal ganz schön schwierig. Vor allem dann, wenn man dem sogenannten "Gaslighting" ausgesetzt wird. Ohne es zu merken, wirst du manipuliert. Jemand versucht, in deine Psyche einzudringen, Selbstzweifel und Schuldgefühle hervorzurufen. Oft taucht Gaslighting in toxischen Beziehungen, Freundschaften und Arbeitsverhältnissen auf. Was das genau ist und wie du es erkennst, erfährst du hier.

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Laut Wikipedia ist Gaslighting keine Kleinigkeit, sondern wird in der Psychologie als psychische Gewalt bzw. Missbrauch bezeichnet, wodurch das Opfer gezielt verwirrt, verunsichert und manipuliert wird. Damit wird ihr Realitäts- und Selbstbewusstsein untergraben und zerstört. Absichtlich eingesetzt kann Gaslighting also eine gefährliche Waffe werden, vor der es sich zu schützen gilt. Denn immer wieder treffen wir in unserem Leben auf Menschen, die uns bewusst oder unbewusst auf genau dieser Ebene Schaden zufügen wollen.

Woher stammt der Begriff Gaslighting?

Namensgebend ist das Theaterstück Gas Light aus dem Jahr 1938. Der britische Dramatiker Patrick Hamilton hat darin die Praxis dieser Manipulationsmethode beschrieben. 1944 erschien dann der Film "Das Haus der Lady Alquist" und machte den Begriff salonfähig. Täter, die diese Methode anwenden, werden umgangssprachlich als Gaslighter bezeichnet.

Machtausübung über das Opfer

Die Methode ist ziemlich perfide und in dem Moment, in dem du dieser ausgesetzt bist, erkennst du sie wahrscheinlich erst mal gar nicht als solche. Gaslighter wollen, dass du gezielt deine Realität infrage stellst. Das machen sie nicht permanent, aber wiederholt und über einen längeren Zeitraum. Dabei werden real existierende Dinge, Verhaltensweisen oder Ereigisse so lange verleugnet oder verdreht, bis das Opfer es allmählich beginnt zu glauben und an sich selbst und seiner Wahrnehmung zweifelt. Gaslighter isolieren ihre Opfer meistens, sodass sich der Vorwurf durch eine dritte Person nicht überprüfen lässt. Schlimmer wird es noch, wenn die Täter andere Personen mit ins Boot holen, die die Inszenierung bewusst oder unbewusst mitspielen, somit die Wirkung auf das Opfer potenzieren und dessen Selbstbewusstsein innerhalb kürzester Zeit zerstören. Oft nimmt man diese Komplizen eher als Mitläufer wahr und werden vom Gaslighter als Mittel zum Zweck instrumentalisiert. Menschen mit dissozialer, narzistischer oder psychopathischer Persönlichkeitsstörung sind sich oft nicht bewusst, dass sie Gaslighting anwenden, da es Teil ihres Krankheitsbildes ist. Ist das nicht der Fall, muss man von der bewussten Anwendung bzw. Manipulation ausgehen.

Neben dem zwischenmenschlichen Miteinander findet sich Gaslighting aber auch im Bereich des sexuellen Missbrauchs, totalitären Regimen und Sekten. Menschen, die Gaslighting anwenden, wollen Macht auf ihre Opfer ausüben und so die Kontrolle über sie bekommen.

Beispiele für Gaslighting

In Beziehungen
Nicht jeder Mensch will einen Partner auf Augenhöhe, sondern jemanden, über den er oder sie sich rund um die Uhr stellen und Macht ausüben kann. Während das Opfer zunächst von einer Beziehung auf Basis von Vertrauen und Liebe ausgeht, versuchen Gaslighter mittels Schuldgefühlen an dem Selbstwert ihrer Partnerin oder des Partners zu sägen und so ein Überlegenheits- und Abhängigkeitsverhältnis herzustellen. Das wird oft durch Überreaktionen seitens der Gaslighter hervorgerufen, bis das Opfer an sich zweifelt, sich schuldig fühlt und um Verzeihung bittet. Ein Teufelskreis beginnt, bei dem das Opfer mit voller Absicht so sehr darauf konditioniert wird, Angst zu haben, etwas falsches zu tun oder zu sagen, sich selbst, seine Meinungen und Werte über Bord wirft, nur um Streit aus dem Weg zu gehen. Fertig ist die perfekte Marionette für den Gaslighter.

Freunde & Familie
Ein Beispiel für Gaslighting in diesem Umfeld ist, Freunden, die eine Familie gründen wollen, diese Idee schlecht zu reden, weil der Gaslighter es sich selbst nicht traut oder gerade keinen Partner oder Partnerin hat, den er oder sie wie oben beschrieben manipulieren kann, bis ein Kind dabei herausspringt. Getreu dem Motto: "Ich möchte nicht, dass du dich etwas traust oder tust, was ich mich nicht traue oder nicht dazu in der Lage bin, es zu tun." Es ist natürlich die Frage, ob der Täter damit Erfolg hat, aber das Ziel ist, Selbstzweifel zu sähen, bis das Opfer diese Idee idealerweise verwirft.

Im Arbeitsumfeld
Gaslighter, die ihre Opfer auf der Arbeit manipulieren, betreiben in diesem Zuge auch Mobbing. Allerdings fliegt das zunächst nicht auf, da sie ihre Opfer, wie oben beschrieben, isolieren und das unter vier Augen machen. Wenn es keine Zeugen gibt, steht Aussage gegen Aussage. Und damit das Opfer die Füße still hält, gibt es für den Gaslighter ein leider viel zu effektives Mittel: Selbstzweifel sähen. Dann fallen Sätze wie "Das kannst du eh nicht", "Die anderen Kollegen mögen dich nicht", "Mehrere Kollegen haben unabhängig voneinander gesagt, dass..." etc.

Gerade im sozialen Umfeld eines Büros oder Betriebes kommt neben der Zerstörung des Selbstbewusstseins der Opfer auch ein weiterer Faktor hinzu: Die Angst vor Ausgrenzung. Menschen sind soziale Wesen, wollen im Idealfall einen guten Job machen und mindestens den Respekt dafür bekommen, der ihnen zusteht. Zieht der Gaslighter diesen Stecker, ist der Weg frei, das Selbstbewusstsein zu untergraben und die Kollegin oder den Kollegen aus dem Weg zu räumen.

Weitere Beispiele sind folgende:

  • Manipulieren von Dingen in der Wohnung oder im Umfeld des Opfers (z. B. Gegenstände an ungewöhnliche Orte legen, Alltagsgegenstände oder Dokumente verstecken, in Abwesenheit des Opfers Kleinigkeiten in der Wohnung verändern, das Radio einschalten, die Wohnungstür nicht richtig abschließen, Auto des Opfers umparken etc.) und das Opfer beschuldigen, es sei zerstreut oder desorganisiert,
  • dem Opfer unzutreffende Realitätswahrnehmung oder falsche Realitätsbeurteilung vorwerfen,
  • dem Opfer die Schuld geben für Streit, Schwierigkeiten in der Beziehung, das Scheitern von Freundschaften, Probleme am Arbeitsplatz oder Lebensprobleme usw.,
  • dem Opfer die Worte im Mund herumdrehen oder ihm Worte in den Mund legen
  • usw.

Die psychischen Folgen von Gaslighting
 
Dass diese perfide Art der Manipulation nicht ohne Folgen für die Opfer bleibt, dürfte klar sein. Psychische Erkrankungen sind die Folge, Depressionen, Angst- und Panikzustände oder auch Posttraumatische Balstungsstörungen. Die ganze Persönlichkeit der Opfer kann nachhaltig verändert werden. Begleiterkrankungen körperlicher oder psychosomatischer Art können ebenso auftreten.

Ofmals wird den Opfern durch Therapie der Folgeschäden erst Jahre später bewusst, dass es nicht die Person war, die etwas falsch gemacht hat, sondern von einem Gaslighter manipuliert wurde. Es kann sehr lange dauern, bis das Selbstvertrauen wieder zurück ist und die Opfer psychisch stabil sind.

Um in dem Moment der Manipulation nicht unter die Räder zu kommen, gilt es mit Außenstehenden, Freunden und Vertrauenspersonen zu reden, sich eine Einschätzung und Fürsprache zu holen, um gemeinsam gegen den Gaslighter vorzugehen.

 

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