Bauernhofprojekt im Hochschwarzwald macht Kinder stark
Auf einem Bauernhof im Hochschwarzwald übernehmen Kinder der Hochfirstschule Verantwortung und stärken ihr Selbstvertrauen. Spenden sollen das Projekt für zwei weitere Schuljahre sichern.
Auf einem Bauernhof im Hochschwarzwald übernehmen Kinder der Hochfirstschule Verantwortung und stärken ihr Selbstvertrauen. Spenden sollen das Projekt für zwei weitere Schuljahre sichern.
Die Hochfirstschule in Titisee-Neustadt ist ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum im Hochschwarzwald. Hier werden 142 Kinder gefördert – in ihrer Sprache, beim Lernen oder in ihrer Selbstständigkeit. Und dafür geht die Schule manchmal andere Wege. Etwa mit dem Angebot „Bauernhofprojekt“ in Oberbränd in Eisenbach.
„Die Kinder, die an dem Projekt teilnehmen, profitieren von vielfältigen und flexiblen Möglichkeiten des Lernens“, sagt Schulleiterin Anna Feyrer. Der Bauernhof bietet dafür Chancen, die ein Klassenzimmer so kaum bieten kann. Lernen findet hier ganzheitlich statt, durch Bewegung, praktische Erfahrungen, Verantwortung und unmittelbares Erleben.
Die Kinder können in ihrem eigenen Tempo lernen, neue Stärken entdecken und erleben, dass sie etwas bewirken können. Gleichzeitig ermöglicht das flexible Setting, sehr individuell auf das einzugehen, was ein Kind gerade braucht.
Beim Bauernhofprojekt dürfen die Kinder Woche für Woche donnerstags und freitags mehrere Stunden auf dem Hof verbringen. Und dort ist alles anders. Nach einer gemeinsamen Besprechung mit der Hofleitung geht es an die anstehenden Arbeiten: Pferdeställe ausmisten, Schafe, Hasen, Gänse und Hühner füttern, Zäune ausbessern oder Heu vom Nachbarhof holen.
Das ist echte Arbeit und nicht nur Tiere streicheln. Für manche Kinder ist es leichter, sich bei diesen Aufgaben einzubringen als im Klassenzimmer.
Da ist etwa Julius. Er ist im Autismus-Spektrum. Viele Menschen, Geräusche und ständig wechselnde Situationen können einen Schultag für ihn ziemlich anstrengend machen. Auf dem Bauernhof erlebt er einen ganz anderen Alltag. Er versorgt die Tiere, hilft bei den anstehenden Arbeiten und findet schnell seinen Platz. Die Ruhe und die klaren Aufgaben tun ihm gut. Hier kann er zeigen, was in ihm steckt.
Für Ben ist ein langer Vormittag im Klassenzimmer eine echte Herausforderung. Lange stillzusitzen und sich auf eine Sache zu konzentrieren, fällt ihm schwer. Auf dem Bauernhof kann er sich bewegen und gleichzeitig etwas Sinnvolles tun. Er holt Futter, mistet aus, kümmert sich um die Tiere und packt mit an. Und plötzlich erlebt man einen Jungen, der konzentriert bei einer Sache bleibt und stolz darauf ist, was er geschafft hat.
Eine Stunde am Tisch sitzen und an einer Aufgabe arbeiten? Für manche Kinder der Hochfirstschule ist das unglaublich anstrengend. Was aber funktioniert: eine Stunde im Stall mithelfen, Tiere versorgen oder gemeinsam etwas reparieren. Denn auf dem Bauernhof erleben die Kinder, dass sie etwas können und gebraucht werden. Und manchmal zeigen sie dort Fähigkeiten, die im normalen Schulalltag kaum sichtbar werden.
Die Kinder übernehmen Verantwortung. Sie erleben, dass man ihnen etwas zutraut. Dass sie gebraucht werden. Dass sie etwas schaffen.
Für die Schule ist es immer wieder berührend, die Entwicklung der Kinder zu erleben. Nach einem Bauernhoftag kommen sie oft ruhiger, zufriedener und stolz zurück. Mit leuchtenden Augen, einem Lächeln im Gesicht und dem Gefühl: Ich kann etwas. Ich bin wichtig.
Dieses Glück wollen wir den Kindern auch weiterhin schenken und mit euren Spenden ermöglichen.