Genuss

Alkoholfreie Weine: Sind sie wirklich eine Alternative?

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Mit Deutschlands bekanntester Weinsommeliere Natalie Lumpp aus Baden Baden

​Ein lauer Sommerabend, ein paar Freunde, ein Glas eisgekühlter Weißwein – genau das, was Sommernächte zum Event machen. Aber das ganze geht auch ohne dicken Kopf am nächsten Tag.

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Alkoholfreie Weine sind mehr gefragt, denn je, weiß Deutschlands bekanntester Weinsommeliere Natalie Lumpp aus Baden Baden. Der Vorteil: Wir können mit dem Auto nach Hause fahren oder auch ein Glas während der Schwangerschaft wäre kein Problem. Ein anderer Aspekt, den Natalie aus ihrem privaten Bereich kennt, ist das neue Körperbewusstsein. "Mein Sohn ist 18 Jahre und macht sehr viel Sport, da passt Alkohol einfach nicht dazu." Trotzdem ist es einfach viel gemütlicher bei einem Glas Wein mit Freunden zusammen zu sitzen, als mit der Cola in der Hand. Und noch ein Vorteil: Gerade im Hochsommer steigt uns der Alkohol nicht zu schnell zu Kopf und wir trocknen nicht so schnell aus. 

Ist es nicht viel schöner mit einem Glas Wein mit Freunden zusammen zu sitzten und nicht die Colaflasche auf dem Tisch stehen zu haben. 

Ein Blick auf die Zahlen: Das Deutsche Weininstitut sagt, dass pro Jahr geschätzt etwa drei bis fünf Millionen Flaschen alkoholfreier Wein produziert werden – bezogen auf die gesamtdeutsche Weinproduktion macht das etwa ein halbes Prozent aus. Das ist noch nicht allzu viel, aber Tendenz steigend. Bei alkoholfreiem Sekt sind es immerhin schon rund 15 Millionen Flaschen pro Jahr.

Wie bekannt sind denn überhaupt Alkohlfreie Weine?

Dazu gibt es eine Studie, die die Speyerer Beratungsagentur Carta zusammen mit der Hochschule Heilbronn und dem Heilbronner Institut für angewandte Marktforschung gemacht hat. 1001 Teilnehmer wurden befragt. Die Untersuchung ergab unter anderem, dass 72 Prozent der Konsumenten schon von alkoholfreiem Wein gehört und knapp 30 Prozent ihn auch bereits getrunken haben. 86 Prozent würden ihn sogar wieder trinken. Und der Geschmack? Mehr als die Hälfte der Teilnehmer bewerteten ihn als gut oder sehr gut.

Können alkoholfreie Weine tatsächlich geschmacklich mithalten?

Wenn es um den 100 Punkte Wein geht, hat Natalie Lumpp noch nicht DEN alkoholfreien Wein gefunden, gesteht sie. Es gibt zwar schon sehr gute alkoholfreie Weine, aber Alkohol ist eben auch ein Geschmacksträger. Um dem Wein den Alkohol zu entziehen, wird er zudem sehr beansprucht und dadurch verliert er eventuell ein wenig seiner geschmacklichen Power.

Alkoholfreier Wein gleich Traubensaft?

Das sagen ja viele Gegener des alkoholfreien Weins. Aber weit gefehlt, sagt Natalie Lumpp. Der Saft wird vergoren wie bei dem richtigen Wein. Säure, Dichte, Substanz... alles ist vorhanden. Erst im Nachhinein wird der Wein entalkoholisiert . Das geht zum Beipspiel mit Vakuumverdampfung. Da wird der Alkohol bei unter 30 Grad vergoren. Oder man verwendet das Prinzip der Osmose, da werden die Alkoholmoleküle rausgeschleuert. Das heißt es schmeckt nach Wein, es ist alles Gute vom Wein drin, außer eben der Alkohol.

Dürfen diesen alkoholfreien Wein dann auch Kinder trinken?

Theoretisch ja, sagt Natalie Lumpp. ABER! Unbedingt vorher aufs Etikett schauen. Er kann bis 0,5 Prozent Alkohol enthalten, das ist gesetzlich erlaubt. Wäre aber dann nix mehr für die Kleinen. Es gibt ihn aber auch mit 0 Prozent und den können wir dann ruhig nutzen um an besonderen Gelegenheiten wie Geburtstag oder Weihnachten mit unseren Kindern anzustoßen. 

Genau aufs Etikett schauen und bei 0 % Alkohol auch gemütlich mit den Kindern anstoßen. Das macht die Kleinen unglaublich stolz

Empfehlungen für alkoholfreie Rotweine aus der Region

Leider ist Auswahl an alkoholfreie Rotweinen bei uns in Baden und der Pfalz noch nicht so weit verbreitet. Aber es tüfteln einige Weingüter daran. Häufiger in der Region ist der alkoholfreie Sekt. Oder auch der Weiswein und der Rose. Das Staatsweingut in Freiburg hat zum Beispiel einen tollen alkoholfreien Rose, weiß Natalie Lumpp oder die Sektkellerei Munzingen bietet alkoholfreien Sekt an genau wie Fritz Müller in Pfalz. Auch das Weingut Hammel in der Pfalz oder auch Reif & Nett aus der Pfalz bieten Variaten ohne Alkohol an. Aber der alkohlfreie Rotwein ist noch sehr, sehr selten. 

Alkoholfreier Wein und das passende Essen

Da bleibt alles wie gehabt. Der Geschmack des alkohlfreien Weins kommt ganz nah ran an den mit Alkohol, sodass wir den Weiswein auch ohne Alkohol zum Spargel genießen können oder den Rotwein ohne Alkohol zum Braten. Auch die Säure ist ja im alkolfreien Wein enthalten, erklärt Natalie Lumpp und das macht das Essen sehr bekömmlich. 

Der alkohlfreie Wein ist im Kommen, aber bis er sich etabliert ziehen sicherlich noch 2 bis 3 Jahre ins Land.

Wird sich alkohlfreier Wein etablieren

Es wäre ja toll, wenn wir im Restaurant zwei, drei vielleicht auch vier Gläschen Wein trinken könnten und danach ganz entspannt mit dem Auto nach Hausen fahren. Im Moment ist es einfach für die Winzer eine große Investition, sagt Natalie Lumpp. Es muss eine neue Anlage gekauft werden auch der Aufwand ist deutlich höher. Dadurch ist der alkoholfreie Wein teurer als der mit Alkohol. Natalie Lumpp schätzt, dass es sicher noch 2-3 Jahre braucht, bis sich die alkoholfreie Variante durchsetzt. 

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